Bittere Pille – Victory Pill gehen in den Ruhestand


Der Drops ist – wie man so schön sagt – gelutscht. Nach 2 Alben verabschieden sich Victory Pill und gehen in die die nicht näher beschriebene Rocker-Rente. Nachdem die Band sich mit dem zweiten Album THE DIGITAL DIVIDE im letzten Jahr vom Live-Business verabschiedete, gehen nun wohl auch die Studiolichter zum letzten Mal aus. Im aktuellen Statement der verbleibenen beiden Gründungsmitglieder Jim Davies (X-Pitchshifter und X-Prodigy) und Pistol Pete Crossman liegt das Alternative-Elektro-Projekt Victory Pill derzeit auf Eis.

„Im Moment gibt es keine Pläne für ein 3. Album. Was aber nicht heißen soll, dass wir keine neuen Songs oder Remixe veröffentlichen wollen. Aber sicher ist, dass es keine Liveshows mehr geben wird. Der Aufwand ist einfach zu groß für uns beide. Ich und Pete haben eine Menge anderer Projekte am Laufen, die jetzt einer höheren Priorität unterliegen.“

Damit geht ein hochinteressantes und total unterschätztes Musikprojekt in den viel zu frühen Ruhestand. Mit 2 weltweit veröffentlichten Alben, zahlreichen Clubgigs in England und Nordamerika und einer einigen, gelungenen Remixarbeiten auf der Habenseite fehlte der Band bislang das letzte Quentchen Glück zu einem lukrativen Plattenvertrag und damit dem großen internationalen Durchbruch. Victory Pill gelang es sich, trotz des fehlenden (finanziellen) Rückhalts durch große Plattenfirmen, schon mit ihrem Debut VICTORY PILL (2007) eine weltweite Fangemeinde aufzubauen. Konzerte in Nordamerika und Großbritannien folgten. Doch der große internationale Durchbruch blieb ungeachtet der guten Kritiken gänzlich aus.

Der sollte aber mit dem 2011 veröffentlichten, zweiten Album der Band THE DIGITAL DIVIDE folgen. Victory Pill überdachten ihr Bandkonzept neu und wagten , ohne Gründungsmitglied Kieron Pepper, einen Neuanfang. War das Erstlingswerk noch von grobschlächtigen Beats und knirschenden, derben, brachialen Gitarrensounds geprägt, filterten Victory Pill im 2. Album die kantigen und knarzigen Elemente heraus. Poppigere, elektronischere Songs ersetzten die unebenen und lauten Momente, was das 2. Album wesentlich runder und angenehmer klingen ließ. Setzten Victory Pill ihr Debüt aus dem Sud ihrer frühen Liveshows zusammen, verweigerten sie sich im 2. Album komplett dem rockigen Livecharakter, was THE DIGITAL DIVIDE trotz (oder gerade wegen) aller gefälligeren und feinfühligeren Sounds ihrer Seele und dem einzigartigen Flair beraubte, der die Band letztlich so großartig werden ließ. Vielleicht war der Grundgedanke, ein Album ohne jegliche Live-Performance erfolgreich auf das übersättigte europäische ROCK/POP-Festland zu werfen, zu blauäugig. Gerade in den Zeiten, in denen Bands kaum noch mit Platten Geld verdienen können und dafür intensiver denn je mit Liveshows ihr täglich Brot verdienen.

Aber was taugt ein Hätte, Wenn und Aber. Hinterher ist man immer schlauer und ohne finanziellen Background sind Promotourneen einfach nicht zu stemmen. Unter diesem Gesichtspunkt sind die beiden in Eigenregie entstandenen Alben ein deutliches Achtungszeichen und sicher aller Ehren Wert. Mit VICTORY PILL (2007) und THE DIGITAL DIVIDE (2011) haben Victory Pill weltweit Fans ansprechen können. Und die sind (mich inbegriffen) dankbar für die schönen Momente mit und durch Victory Pill. Damit ist die , jetzt auf Eis gelegte, Ära Victory Pill doch eine Erfolgsgeschichte. Wenn auch nicht in allen Aspekten.

Am (vorläufigen) Ende verbleibt die Hoffnung, das in Sachen Victory Pill tatsächlich noch nicht alle Messen gesungen sind. Ob ein 3. Album folgen wird bleibt sicher fraglich. Ein LIVE-Comeback darf getrost ausgeschlossen werden. Doch darüber hinaus ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Auf alle Fälle bleiben Pete Crossman und Jim Davies auf Solopfaden weiter aktiv. Zu viele Passagen und Remixe sind noch ungeschrieben und verharren ihrer Veröffentlichung. Und hier werde ich auch zukünftig meine Augen und Ohren ganz weit geöffnet halten.

Rückblickend war es mir eine große Freude die Band seit 2007 begleitet zu haben. Die Jahre verbinden mich freundschaftlich mit der Band und ich verbleibe in der Hoffnung, dass über die Ära Victory Pill der Kontakt nicht abbricht.

Damit bedanke ich mich – sicher auch im Namen zahlreicher Fans- nocheinmal. THANK YOU FOR THE MUSIC…

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