Victory Pill – The Digital Divide


digitdivide-coverHell oder Dunkel…Gut oder Böse…Süss oder Sauer….Schwarz oder Weiß…..

Black and White ist der Schlüssel in die neue Welt von Victory Pill. Entweder man verliebt sich mit den ersten fiesen Gitarrenriffs und schnürgellosen Vocalparts in den neuen, alten Sound der Elekrorocker um Pete Crossman und Jim Davies oder man hasst den Song. Wer Black and White nicht mag, sollte das Album weglegen und wieder im Sandkasten spielen gehen. Läßt man sich dagegen aber auf das gut 1-stündige Abenteuer The Digital Divide ein, erschließt sich eine Welt aus derben, ungegerbten puren Rock’n’Roll, vermengt mit zaghaft gestreuten, aber denoch spürbaren Elektronikspielereien. Eine Welt in der es laut zu geht. The Digital Divide will laut gehört werden. Was sonst ?! Erst dann öffnen sich die wahren Geheimnisse und das Album gewinnt deutlich an Energie.

Von Victory Pill erwartet man im Allgemeinen eine klare und präzise Ansage. Ohne viel drum herum, ohne SchnickSchnack. Sofort zur Sache kommen und nicht lange Labern. Black and White enttäuscht hier in keinster Weise. Auf den Punkt gebracht offenbart, wenn auch noch zaghaft, der Einstiegssong die ungeheuren Dimensionen des neuen Albums. Dabei verschrecken Crossman und Davies die Fans nicht mit allzu revolutionären Neuerungen. Alles schmeckt und fühlt sich deutlich wie Victory Pill an. Die Brücke zum alten Album scheint perfekt. Doch The Digital Divide spielt in anderen Spheren. Dies drücken Victory Pill  schon mit Song#2 den geneigten Hörer in die Gehörgänge. Generation Waste überschreitet die Grenzen zum digitalen Wahnsinn deutlich und das ohne Aussicht auf Wiederkehr. Rap-attitüden, tiefschürfende Basslinien, kreischende Gitarrenriffe, prügelnde Synthiesounds. Ein erstes Achtungszeichen der neuen Scheibe – Und wir sind erst bei Song Nummer 2!

Der Schlüsselsong des ganzen Albums folgt Generation Waste auf dem Fuß. Burnout – ein Monstertrack mit einer unglaublich geschmeidigen Vocalline. Niemand hätte diesen Song besser und authentischer einsingen können als Graeme Cornies, seines Zeichens Frontsänger der kanadischen Indi-Band Triptaca. Ganz großes Kino. Riesige Welten bauen sich vor dem geistigen Augen auf, um sich dann gnadenlos in unfassbaren Weiten zu verlieren. Unglaublich! Diese Energie und Konstanz. Grandios. Aim Low holt Dich dann wieder in die nüchterne Victory Pill-Realität zurück. Knochentrockener und grundehrlicher Rock donnert aus allen Fugen. Mein absolutes Highlight auf dem ganzen Album und neben Burnout sicherlich der Anspieltip #1. Victory Pill in allen Farbvariationen. Brutalehrlich und unverfälscht. Davies‘ Vocals peitschen die hämmernden Beats in neue Gefilde. Weiter So – dieser Song hat Eier!

Mit New Ascendancy und Save Yourself, hier wieder mit dem unglaublichen Graeme Cornies , verliert sich das Album ein wenig in den eigenen Tiefen. Beide Songs versinken in vergleichsweise entschleunigten Beatgewittern, die sich so, mit dem großartigen Rest des Albums, nicht wirklich messen können. Doch mit Wavelength findet das Album sich wieder. Wavelength –  ein Downtempo-Track der sofort überzeugt. Keine Schnörkel – Besinnung auf das Wesentliche. Solide Handwerkskunst.

Mit Welcome To Our World ist dann endgültig Schluß mit lustig.Victory Pill prügeln wieder die Beats ein, als ob nie etwas anderes gezählt hätte. Quietschende Synthesizer, ein sonores Drum-Gefecht, eine ungewohnt melodische Hook. Der aggressivste Track auf der aktuellen Victory Pill-Scheibe – auch wenn der  Abgang etwas zu sehr im ambient-Gewand versackt. Mit Spit feuern Victory Pill aus allen Rohren und verheizen alles was sich irgendwie anzünden lässt. Up-Tempo, ohne sich in sinnbefreiter Hektik zu verrennen. Mit einem unfassbar guten Graeme Cornies im Gesang, avanciert Spit zum letzten Höhepunkt der Scheibe. Alles ist auf den großen Angriff hin ausgerichtet, perfekt ausbalanciert und präpariert. Doch bevor der letzte Rundumschlag erfolgt, verharren Victory Pill in schon fast perverser Angriffsstarre und schieben das einzige Instrumental des Albums ins Gefüge. Memento. Schon fast epische Klänge schwelgen in trügerischer Sicherheit. Die Ruhe vor dem Sturm. Undefeated – Der große Schlußakkord. Der finale Gegenschlag. Hier spielen Victory Pill zusammen mit Hounds nocheinmal richtig auf. Anleihen aus gut gemachten Punk und Industrial scheppern aus den Boxen und pumpen den letzten Song des Albums voll mit Adrenalin. Noch einmal wollen es Crossman und Davies genau wissen und überlassen nichts dem Zufall.

The Digital Divide:  Das sind 11 Knochenbeißer. Schlagzäher und widerstandsfähiger Rock’n’Roll. Punktgenaue und präzise Elektro-Spielereien. E-Gitarren die unter die Haut gehen. Geschmeidige Vocals. Ein Album das nicht zu viel verspricht, sondern immer grundsolide und ehrlich bleibt. Dabei aber nie billig oder abgedroschen klingt. Sicher keine Weltrevolution. Nichts Stilbrechendes. Ein Album, dass man gern spielt. Laut und stolz. Für sich, für Freunde…. Kein Album, dass die Clubs dieser Welt im Sturm erobern wird. Aber ein Album, dass Dich eine ganze Strecke Deines Weges begleiten wird ohne Dich zu enttäuschen. Wenn Du nur willst. The Digital Divide ist kein Album für scheinheilige Blender. Es ist ein Album für die, die wissen was sie wollen und für die Erfolg nicht an Verkaufszahlen und Top10-Platzierungen gemessen wird. Es ist ein Album für die, die wissen, dass Musik mehr ist, als die stupide Aneinanderreihung von Takten und Melodien um der Profitneurose gefügig zu sein. The Digital Divide ist Victory Pill. Laut und denoch leise. Black and White…. Gut und Böse….Hell und Dunkel…..

The Digital Divide

digitdivide-cover
Victory Pill
The Digital Divide02.Mai 2011

Tracklist:

Black and White
Generation Waste
Burnout (feat. Graeme Cornies)
Aim Low
New Ascendancy
Save Yourself (feat. Graeme Cornies)
Wavelength
Welcome To Our World
Spit (feat. Graeme Cornies)
Memento
Undefeated (feat. Hounds)

The Digital Divide– das 2. Victory Pill-Album erscheint am 2.Mai.

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