The Prodigy – World’s On Fire- Die KINO.review


The Prodigy auf großer Leinwand. 9 Vorstellungen in 9 Städten. Großes Trimborium um eines der spektakulärsten Events des letzten Jahres und dem wichtigsten und größten Konzert der Bandgeschichte. Was wurde im Vorfeld nicht alles berichtet. Die deutschen Online-Gazetten waren voll damit und ich hatte täglich mindestens 5 neue Links zu diversen Vorschauartikeln ausmachen können, ohne dass ich wirklich danach gesucht hätte. Hätte ich gesucht, ich wäre sicher allein in der Flut deutschsprachiger Anzeigen umgekommen. Die internationale Presse mal außen vorgelassen, ich glaub ich würde heute noch die Links durchforsten.
Bleibt jetzt im Nachgang den kurzen Blick zurück auf diese cineastische Ausnahmesituation zu werfen.

DAS WAR DER HAMMER ICH WÜRDE ES NOCH MAL MACHEN !!!!
[Manuel Marques, facebook]

Ich selber durfte im Leipziger Cineplex Zeuge dieses Kinoevents werden. Ein reichlich zu 2/3 gefüllter Saal bot dabei den Schauplatz einer schon fast skurilen Kinoschau. Mit der strategischen Verdunkelung des Saales und den ersten flimmernden Bildsequenzen des Vorprogramms (der Brasilien-Kurzfilm – Mescaline/Spitfire) hielt es die ersten Fans nicht mehr in den, durchaus bequemen, Kinosesseln. In kürzester Zeit fanden sich so die ersten Fans direkt vor der Leinwand ein und begannen die ersten zaghaften Prodigyvibes, die aus der 5.1-Anlage spukten, zu betanzen. Doch Mescaline sollte ja nur der Anfang einer langen Filmnacht sein.

…mach dich auf was gefasst, es ist es auf jeden Fall wert!
[d.seifert, dresden]

Mit Beginn des Hauptprogramms gab es defintiv kein Halten mehr. Die vormals angedeutete Sitzordnung wurde , spätestens mit Breathe vollends über Bord geworfen. Immer mehr Fans stürmten die Freifläche vor der Leinwand und betanzten jeden einzelnen Basshieb. Derweil versuchte eine hoffnungslos überforderte Kinoangestellte, hin und hergerissen zwischen dem Trieb alle ausgepackten Kameras und Handy einzukassieren, das Inventar des Kinosaals heil über die anstehende 1 1/2 Stunde zu bringen und der Tanzwut der Fans irgendwie Einhalt zu gebieten, wieder zur geregelten Grundordung zurückzukehren. Zwecklos und über alle Maße zum Scheitern verurteilt. Doch die angereisten Fans waren fair und verhielten sich über die gesamte Veranstaltung hin in geordneten Bahnen. Wenn auch in anderen, als sie von einer regulären Kinoveranstaltung zu erwarten gewesen wären. Aber so blieb das Inventar heile und Stimmung grundfriedlich. Ein paar aufklärende Worte ließen es dann auch zu, dass das ein oder andere Video gefilmt werden durfte, sodass ich in der glücklichen Situation war, ein paar Eindrück festhalten zu können.

Also ab nach vorne gerannt rumgesprungen und alles und dann ging die Post ab.
Immerhin guckt man da The Prodigy!
[Sascha Kiesow.düsseldorf via facebook]

Aber. Bei allem Eifer, den so manche Fans in den Saal legten, dem hoffnungslosen Versuch mit vielleicht 50 Leuten anständiges Crowdsurfen zu veranstalten, das rechte Konzert-Feeling wollte, zumindestens bei mir, nicht aufkommen. Auch wenn dass die wenigsten daran  hinderte für gute Stimmung zu sorgen. Doch nüchtern betrachtet, bleibt mir ein fader Beigeschmack. Die Soundanlage versagte mit jedem Bass und produzierte gegen Ende des Film nur noch pfeifende Ohrenschmerzen. Ein Grundsatz, der der Musikkulisse nicht wirklich weiterhalf. Ich habe nicht wirklich  glasklares Dolby 5.1. erwartet und gebraucht. Aber ein anständiger StereoSound ist doch das Mindeste, was man für ein einigermaßen brauchbares Prodigy-Bauchgefühl benötigt.
Die überwältigende Reizüberflutung der flirrenden und flackernden Bildfolgen auf der überdimensionalen Leinwand. Die stroposkophafte Dauerbefeuerung und die rasanten Schnittwechsel. Das alles verhalf nicht zu dem ultimativen Konzertfeeling, dass ich mir insgeheim doch gewünscht hätte. Klar – die zum Teil weit angereisten Fans ließen sich davon nicht beeindrucken und genossen unbeirrt den Mitschnitt in vollen Zügen. Das will keiner Abstreiten und die Stimmung im Leipziger Cineplex war durch und durch gigantisch, grandios und ausgelassen. The Prodigy waren nach der anderthalben Stunde die Helden der Nacht und die mußten ja gefeiert werden. Doch nüchtern betrachtet, gehört ein Prodigykonzert NICHT in ein Kino. Die gesamte Energie verpufft und kommt nicht so rüber, wie man sich das vielleicht wünscht. Ich zumindestens kam mir stets so vor, als ob ich das Konzert mir 2 Tonnen Watte im Ohr, hinter einer 4 cm dicken Glasscheibe betrachten müsste. Alles wirkte aufgesetzt und irgendwie unnahbar. Da halfen die teilweise spektakulären Kamerafahrten und Perspektiven auch nicht weiter.

Ich bin 100% sicher, das World’s On Fire ein brillianter Konzertfilm ist – auf DVD/ Bluray – um zusammen mit Freunden einen netten Prodigyabend zu verleben. Aus diesem Grund unterschreibe ich auch alle Empfehlungen für die anstehende DVD-Veröffentlichung.  Aber fürs Kino ? Das geht nicht. Die großen Bilder, die für sich gesehen sicher brilliant sind, funktionieren in solch gewaltigen Dimensionen nur mit einer intakten Geräuschkulisse. Und hier sind die Kinos eindeutig überfordert. Eine Kino-5.1-Soundanlage kann so diesen Ansprüchen einfach nicht gerecht werden. Ich pflichte auch bei, dass einige Künstler sicher besser geeignet sind, um auf Kinoleinwänden kredenzt zu werden. Doch Live-Titanen wie The Prodigy gehören auf eine Bühne und nicht auf die Leinwand.

Grundsätzlich halte ich die Idee, gut gemachte Konzertmitschnitte im Kino zu präsentieren, gut aber auch für ausbaufähig. Das Prodigyexperiment zeigte die Stärken und Schwächen dieser neuen Promostrategie deutlich auf. So ist es mir völlig schleierhaft warum, um Gottes Willen, der Norden Deutschlands und die Metropolen dieser Republik mit aller Akribie ausgespart wurden und man dafür den süddeutschen Raum schon fast überforderte. Da verwundert es nicht, dass einige Kinosäle im weitläufigen und ländlichen Südraum nur spärlich besucht blieben. Sicher ein Umstand, der bei einer potentiellen Weiterführung/Neuauflage zu bedenken bleiben sollte.
Zudem bleibt die Frage, ob die schnelle Schnittfolge und die rasant wechselnden optischen Eindrück wirklich für eine große Leinwand taugen. Gravierender sehe ich aber das fehlende Potential der Soundanlagen in den Kinos. Sicher setzen Prodigy hier andere Maßstäbe als beispielsweise Bands wie „Söhne Mannheims“ die ein völlig anderes Konzept verfolgen, das cineastisch aufbearbeitet sicher zu mehr Erfolg führt.

Aber – nichts ist perfekt. Wichtig ist, dass die Band neue Wege sucht, um besser mit den Fans zusammen zu kommen und um dem Fan neue Einblicke gewährt. Und sicher wird man aus den ersten kleinen Fehlern lernen und letztendlich etwas ganz Großes dabei entwickeln. Ich selber freue mich auf eine mögliche Neuauflage und auf alle Fälle auf die attraktivere Variante World’s On Fire zu geniesen. Daheim, mit guten Freunden, bei aufgezogener Stereoanlage, so dass auch die Nachbarn etwas davon haben.

World’s On Fire – Das erste LIVE-Album der Band – erscheint am 20. Mai 2011.

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